Wer einen Welpen holt, bekommt viele Ratschläge. Die meisten drehen sich um Sitz, Platz und Leinenführigkeit. Das ist nicht falsch, aber es ist zweitrangig.
Was in dieser Zeit einzigartig ist
In den ersten Lebensmonaten lernt ein Hund, was zur Welt gehört und was nicht. Geräusche, Untergründe, Menschen mit Hut, Fahrräder, andere Tiere, Treppen, Autofahrten. Was er in dieser Zeit ruhig kennenlernt, bleibt für ihn normal. Was er nicht kennenlernt, muss er sich später mühsam erschließen — und manches wird er nie ganz gelassen finden.
Diese Phase ist kurz. Sitz kann man mit drei Jahren noch lernen. Gelassenheit gegenüber einem vorbeifahrenden Traktor deutlich schwerer.
Kennenlernen heißt nicht aushalten
Der häufigste Fehler ist gut gemeint: möglichst viel zeigen, möglichst schnell. Ein Welpe, der auf dem Wochenmarkt zwischen fünfzig Beinen sitzt und sich klein macht, lernt nicht, dass Menschenmengen harmlos sind. Er lernt, dass er in solchen Lagen allein ist.
Wir arbeiten deshalb mit Abstand und mit Rückzug. Der Welpe sieht das Neue, aus einer Entfernung, die er noch trägt, und er darf jederzeit weg. Erst wenn er von sich aus näher geht, ist die Distanz richtig gewählt.
Und die Erziehung?
Die kommt nebenher — und zwar in Situationen, die ohnehin jeden Tag stattfinden. Am Napf, an der Tür, beim Hochheben, beim Abgeben. Das sind die Momente, in denen sich entscheidet, ob ein Hund Menschen für berechenbar hält.
Berechenbarkeit ist die Grundlage von allem, was danach kommt. Alles andere lässt sich nachholen.


